Kultur aus Passion Sömmersdorf

Die HerzensBLECHer – der fränkische Eros

Der fränkische Eros …

… gibt sich die Ehre – und dem Konzert der HerzensBLECHer in der Robert-Seeman-Halle am 19.03.2017 um 18 Uhr seinen Namen.
Dass er dabei durchaus selbstbewusst auftritt, kann man unschwer an den Zeilen „Wir als Franken ham Glück bei den Frau’n …“ und „Unser fränkischer Eros haut alle um …“ erkennen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zudem werden Sie die Vor- und Nachteile von Wein und Bier sowie deren Auswirkungen auf die fränkische Frömmigkeit kennenlernen.
Freuen Sie sich auf die launenhafte Treue des weiblichen Geschlechts, die sportlichen und geistigen Höchstleistungen der fränkischen Männer und auf das große Glück zu zweit. Ebenso vielfältig wi
e der inhaltliche ist dabei auch der musikalische Spannungsbogen, den die HerzensBLECHer vom Rheinländer über Filmmelodien der 30-er Jahre bis hin zum Walzerkönig Johann Strauss und den Beatles spannen.

Sie tauchen ein in die Tiefen der männlichen Psyche und führen den fränkischen Eros schließlich sicher durch alle seelischen und musikalischen Turbulenzen zum dauerhaften Glück der wahren Freundschaft.

Eintritt: 12€

Vorverkauf ab 1.Februar im Rathaus Euerbach

15 000 Zuschauer sahen „Don Camillo“

Copyright: Anand Anders

Copyright: Anand Anders

Keine einzige der acht Freilicht-Vorstellungen von „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ wurde durch Regen gestört, keines der alten Motorräder oder Vespas machte die Grätsche, kein Schauspieler wusste nicht mehr weiter. Das Resümee, das Robert König als Vereinsvorsitzender von „Kultur aus Passion“ zieht: „Es war fantastisch!“

Damit meint er nicht nur das Wetter, das nur einmal beinahe nicht mitgespielt hätte: Als es in der zweiten Sonntagsvorstellung in der Pause tröpfelte und donnerte. Vier Kilometer weiter dagegen schüttete es wie aus Kübeln, 25 Millimeter Regen.

Fantastisch war für ihn auch die Schauspieltruppe aus dem Ensemble der Fränkischen Passionsspiele. „Die waren immer konzentriert, haben sich hinter der Bühne auf ihre nächste Szene vorbereitet. Ich hatte nie das Gefühl, dass da was passiert.“

Nur einmal gab es eine unerwartete Szene auf der Bühne: Als am zweiten Sonntag ein Windstoß die Ecke einer Tischdecke vor „Alberto’s Bar“ in die brennende Kerze auf dem Tisch hob und sie Feuer fing. Regisseur Hermann J. Vief eilte von der ersten Zuschauerreihe hinauf, um das brennende Stück Stoff auf die Bühnenseite zu werfen, wo sich ein Feuerwehrmann um die Beseitigung kümmerte.

Voll des Lobes ist König auch über die Zuschauer. An die 15 000 Besucher haben das Theaterspiel unter freiem Himmel gesehen, haben schon beim ersten Musikstück fröhlich mitgeklatscht. Und waren am Schluss immer aufgestanden, um tosenden Applaus zu spenden.

Die Live-Musik sei besonders „anregend“ gewesen, meint der Vereinsvorsitzende: Die Rock’n Roll-Musik von der Gruppe „Sir Prize“ begeisterte das Publikum.

Auch im Catering-Bereich sei es gut gelaufen. Pizza und Pasta, Vino und Birra waren stark gefragt. „Ich habe keine große Klagen gehört.“ Beim Eis, stilecht im Gelati-Wagen des Bauernhofes Götz aus Röthlein, bildeten sich zwar meist lange Schlangen, „aber nach dem ersten Wochenende hatten sie es im Griff.“

Nach der fulminanten Abschlussfeier für alle Beteiligten am Sonntagabend blickt der Vereinsvorstand schon wieder nach vorn: In zwei Jahren, 2018, werden wieder die Fränkischen Passionsspiele gezeigt. „Es gibt einen Vorstandsbeschluss, dass Hermann J. Vief und Marion Beyer wieder Regie führen“, sagt König. Nächste Woche wird es ein Vorgespräch geben.

König möchte auch, dass der Berliner Bühnenbauer André Putz, der für „Don Camillo“ das Bühnenbild entwarf, auch für die Passion verpflichtet wird. „Dass mehr los ist auf der Bühne“.

Was den Bau eines festen Daches über dem Zuschauerraum anbelangt, ein 2,5 Millionen-Euro-Projekt, hofft König, dass bis Oktober die Finanzierung geklärt ist. Nach Ausführungsplanung und Ausschreibung würde dann 2017 gebaut werden. „Ich bin zuversichtlich, dass das klappt.“

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Pures Vergnügen für die Zuschauer

Szene mit Monsignore

Copyright: Silvia Eidel

An der Wäscheleine fehlen noch ein paar Kleider und am Kirchturm müssen noch die Ecksteine aufgemalt werden. Ansonsten aber sieht die Freilichtbühne in Sömmersdorf schon richtig nach einem bunten italienischen Dorf der 1960er Jahre aus. Don Camillo wird sich dort ab Samstag abend in acht Vorstellungen mit Peppone herumstreiten, sich über seine rothaarige Nichte die Haare raufen und so gar nichts von einer modernen Kirche halten.

Es ist die „letzte, heiße Woche vor der Premiere“, drückt es Regisseur Hermann J. Vief aus, als am Dienstag abend die erste Durchlaufprobe beginnt. Jetzt geht es darum, das Zusammenspiel von Technik und Schauspiel zu finden. Die Sömmersdorfer Darsteller aus dem Ensemble des Vereins Fränkische Passionsspiele haben heute erstmals ihre Headsets auf. Über die Hälfte der 42 Schauspieler tragen feine Mikrophone, manche sind in Form einer Halskette versteckt wie bei der weiblichen Hauptdarstellerin Julia Martschoke, die als rothaarige Cat ihrem Onkel Don Camillo das Leben schwer macht.

Profis sind in der Technikkabine dabei, den Sound abzumischen. „Sie sehen heute zum ersten Mal das Stück“, erklärt Co-Regisseurin Marion Beyer. Zusammenhänge und Übergänge müssen ausgelotet werden, die Techniker müssen auf Text und Zeichen reagieren, müssen sich zurechtfinden in dem teils sehr turbulenten, vergnüglichen Theaterstück mit ernster Botschaft „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“.

„Heute wird es noch pfeifen und dröhnen“, stimmt Hermann J. Vief seine Spieler ein, die sich geschminkt und in ihrem Rollenkostüm im Zuschauerraum unter den markanten Trichterschirmen versammelt haben. Aber „ab heute ist Echtsituation“, unterstreicht er. Das heißt: keine privaten Gespräche, wenn der Darsteller von der Bühne geht, kein „Scheiße, da hab ich mich verhaut“. „Mikro-Disziplin“ nennt der Profi-Regisseur dieses Verhalten. Ansonsten müssen wie an den Aufführungstagen hinter den Kulissen alle Utensilien, Motorräder oder Vespas bereit stehen, jeder muss pünktlich an Ort und Stelle sein.

„Ihr seid in euren Rollen drin“, puscht die Coburger Theaterpädagogin Marion Beyer. Schließlich wurde monatelang mit den einzelnen Akteuren geprobt, wurden vier Wochenenden von früh bis abends diszipliniert, aber mit viel Leidenschaft geübt. Jetzt solle jeder vor seinem Auftritt in eine Ecke gehen, sich hineindenken in seinen Charakter und in seine Szene, und dann mit diesen Gedanken konzentriert in das Spiel eintreten. „Kein Kaltstart, das sieht jeder Zuschauer“, ermahnt sie.

Dass die Technik-Abstimmung enorm wichtig ist, wird spätestens deutlich, als Musik wie „Jail House Rock“ bei der Schlägerei oder ein gefühlvolles „Whiter Shade of Pale“ bei der Liebes-Szene das Spielgelände erfüllt. Vor dem linken Bühnenrand greifen die fünf Musiker der Projektband „Sir Prize“ in die Saiten von Elektrogitarre oder Contrabass, hämmern aufs Keyboard oder Schlagzeug und lassen das Saxophon vibrieren.

Dass manchmal die Dialoge auf der Bühne kaum zu verstehen sind, wundert Hans Beyer nicht. „Deswegen muss die Anlage eingestellt werden“, erklärt der Ehemann der Regisseurin. „Heute spielen wir ja das erste Mal zusammen“.

Eigens für den Sömmersdorfer „Don Camillo“ haben sich die Musiker zusammengefunden, von Coburg bis Schwäbisch Hall. Beyer kennt sich hier allerdings schon aus: Er hat zu den Passionsspielen 2013 gemeinsam mit Martin Kleiner die neue Passionsmusik komponiert und auch live gespielt. Beide sind wieder dabei, „weil es ungeheuer viel Spaß macht.“

So wie sie nicht von Nervosität, sondern lieber von einer „Grundanspannung“ in der letzten Probenwoche sprechen, so agieren auch die Spieler auf der Bühne. „Das muss so sein, sonst wird nichts transportiert“, weiß Marion Beyer. Leidenschaft und Herzblut haben die Sömmersdorfer sowieso, sagt sie lächelnd. „Ihre Figuren leben.“

Das ist dem Theaterspiel anzumerken: Wenn Frank Greubel wutentbrannt oder pfiffig seinen Don Camillo gibt, wenn Norbert Mergenthal als Bürgermeister Peppone mit großen Sprüchen herumpoltert, wenn Julia Martschoke als selbstbewusste und zickige Cat den Männern den Kopf verdreht, wenn Johannes Gessner als naiver, intellektueller Hilfspfarrer agiert, wenn Sabine Nöth als geltungssüchtige, dominante Ehefrau von Peppone herumstolziert, dann ist das pures Vergnügen für die Zuschauer.

Jetzt herrscht nur noch angespannte Vorfreude, ergänzt ein zufriedener Vereinsvorsitzender Robert König bei. Jetzt soll es endlich losgehen.

 

Info

Die Zufahrt nach Sömmersdorf über die B 303 aus Richtung der Autobahn A 7 ist wieder offen, die Baustelle ist beendet. Es gibt noch Restkarten für die meisten Vorstellungen, am letzten Aufführungstag, Sonntag, 7. August, 15 Uhr, ist noch ein größeres Kontingent verfügbar. Info unter www.kulturauspassion.de

 

Die ausführliche Fotostrecke zum Artikel finden Sie hier

 

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Mopeds knattern durch Don Camillos Dorf

Copyright: Silvia Eidel

Copyright: Silvia Eidel

Es knattert und röhrt gewaltig, als die alten Motorräder und Mopeds zwischen den Bäumen auftauchen und auf die Freilichtbühne düsen. Die Jungs, die beim „Don Camillo“-Sommertheater die Halbstarken aus der Stadt, die „Scorpions“ spielen, haben bei der ersten Probe mit den Zweirädern ihre helle Freude. Auch wenn oder gerade weil manchmal einer der historischen Pfutzer nicht anspringen will.

In ihren schwarzen Lederjacken konkurrieren die „Scorpions“ mit den „Hound Dogs“ in Jeans aus dem italienischen Dorf Don Camillos. Diese Burschen sind zwar „nur“ mit Vespas ausgestattet, was vergleichsweise ziemlich uncool ist. Aber mit den kultigen Motorrollern über die Bühne zu kurven, macht der Dorf-Gang genauso viel Spaß.

„Das ist eine alte Sachs“, deutet Robert König auf ein schwarzes Moped, „das eine BMW und das ist von Miele“. Der Vereinsvorsitzende der Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf und von „Kultur aus Passion“, Veranstalter des diesjährigen Sommertheaters, muss es wissen. Er hat aus verschiedenen Quellen die historischen Zweiräder aus den 50er und 60er Jahren besorgt, aus der Zeit, in der auch das Theaterstück „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ spielt. „Ein paar sind von Zweirad Seifert aus Bergrheinfeld geliehen und diese hier von einem Sammler und Bastler“.

Ein weiteres italienisches Schmuckstück ist unter der Vorbühne deponiert, dort wo auch Aufbauten für die Freilichtbühne lagern: Ein weißer Fiat 500. „Für den progressiven Jungpfarrer Don Chichi“, verrät König. Er selbst trägt zur Probe gerade das schwarze Gewand des Monsignore Piero Cornelli, Sekretär des Bischofs von Mailand. Eine Rolle, die dem Vereinsvorsitzenden liegt und die ihn zeitlich nicht zu sehr fordert, zumal seine Textpassagen überschaubar sind. Dass es für ihn etwas entspannter zugeht, ist auch nötig, angesichts der vielen Dinge, die bis zur Premiere am 23. Juli noch erledigt werden müssen.

Copyright: Silvia Eidel

Copyright: Silvia Eidel

Es ist Probenwochenende am Passionsspielgelände, die Massenszenen mit 44 Schauspielern stehen erstmals an. „Jeder weiß, in welcher Verbindung er zum anderen steht“, erklärt Co-Regisseurin Marion Beyer die Vorarbeiten. „Die Grundplatzierung hatten wir schon“, ergänzt Regisseur Hermann J. Vief. Jetzt muss der Aufbau der Szenen vorangehen, die Strukturierung. Heute wird zudem erstmals mit der Statisterie gearbeitet.

„Ihr wisst Eure Wege noch?“, vergewissert sich Vief. Es geht um das Aufeinandertreffen der beiden Jugend-Gangs, um Don Camillos selbstbewusste rothaarige Nichte Cat und um Peppones Sohn Michele sowie seinen Rivalen Ringo. Vief spielt die Musik ein, die später, bei den Aufführungen, live von der Band „Sir Prize“ kommen wird.

Die Jungs stehen sich gegenüber, aber vieles ist der Regisseurin noch „zu brav“. „Denkt an die Körperspannung“, zeigt sie den Schauspieler. Faust ballen, mit dem ganzen Körper nach vorne wippen, das Kinn anspannen – jetzt läuft es mehr Richtung Wut, Aggressivität, so wie es die Szene verlangt.

Vief springt gar vom Regie-Platz in der ersten Zuschauerreihe hinauf auf die Bühne und rempelt den Wortführer Ringo alias Christoph Selzam an. „Was willst du?“, tippt er mit den Fingern dem Darsteller an die Brust, um zu zeigen, wie er sich als Halbstarker mit Schmalzlocke glaubwürdiger mit seinen Gegnern auseinandersetzt. Nochmal und nochmal wird die Szene geprobt, immer wieder gibt es genaue Anweisungen der Regie, werden Einzelpersonen oder Gruppen gebrieft.

Copyright: Silvia Eidel

Copyright: Silvia Eidel

Dann artet der gespielte Streit auf der Bühne aus: Peppone, alias Norbert Mergenthal, und seine Leute drohen mit Gewehren, Don Camillo, gespielt von Frank Greubel, schießt gar von seinem Garten aus in die Luft, um den Streithähnen beizukommen. Lautes Geschrei, das sich schließlich in einer sinnvollen Aktion auflöst. „Alles, was so fließend aussieht, sind Stunden um Stunden Arbeit“, bestätigt Regisseurin Marion Beyer, als sie mit dem Ablauf schließlich zufrieden ist.

Die Lederjacken und Jeans, die Petticoat-Kleider und alten Anzüge, die Hüte und Taschen der Schauspieler hat Kostümleiterin Elisabeth Trott für diese Probe schon zusammen. „Einiges ist geschenkt, manches selbst genäht, anderes habe ich im Second-Hand-Laden gekauft“, erzählt die Sömmersdorferin. Auch wie die Schmalzlocken der Jungs mit viel Pomade gestylt werden, ließen sich die Maskenbildnerinnen schon von einem Profi zeigen.

Jetzt muss aber das Bühnenbild noch vervollständigt werden, müssen noch Pizzeria, Kirche, Kaufhaus, Pfarrhaus und Dorfplatz Gestalt annehmen. „Meine Frau hat schon jede Menge Blumen eingesetzt“, beruhigt König beim Blick auf die noch kahle Bühne. „Das wird schon noch so richtig italienisch“.

 

Kartenverkauf

Für alle acht Vorstellung von „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ gibt es noch Karten: am 23. und 24. Juli, am 29., 30. und 31. Juli sowie am 5., 6. und 7. August. Freitags und samstags ist Spielbeginn um 20 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Karten gibt es in allen Main-Post-Geschäftsstellen, in der Touristinfo Schweinfurt 360 Grad, im Rathaus Euerbach, in allen ADticket-Vorverkaufsstellen, online unter www.kulturauspassion.de sowie in der Geschäftsstelle der Fränkischen Passionsspiele in Sömmersdorf, Telefon (09726) 2626, E-Mail: info@kulturauspassion.de

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Die Haare „wachsen lassen“

Foto 01.06.16, 18 14 53Normalerweise alle 5 Jahre heißt es für die männlichen Schauspieler bei der Passion: „wachsen lassen“. Die Haare werden länger, die Bärte sprießen. Doch für „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ in diesem Jahr müssen die Männer etwas umdenken. Professionelle Hilfe bieten dabei Maas & Hailer Booder. Bei einem Besuch im stilechten Friseursalon in Haßfurt wurden die Jungs in die 60er Jahre zurückversetzt und ihre Haarpracht dementsprechend getrimmt. Foto 01.06.16, 18 56 51Dabei haben die Booders auch gleich unsere Mädels aus der Maske fit gemacht,wie die echte Elvis-Tolle, Grease-Frisur und Seitenscheitel richtig gestylt werden. Es geht also wieder ums „wachsen lassen“, diesmal allerdings mit Pomade und Haarwachs (und davon jede Menge).