Kultur aus Passion Sömmersdorf

Pures Vergnügen für die Zuschauer

Szene mit Monsignore

Copyright: Silvia Eidel

An der Wäscheleine fehlen noch ein paar Kleider und am Kirchturm müssen noch die Ecksteine aufgemalt werden. Ansonsten aber sieht die Freilichtbühne in Sömmersdorf schon richtig nach einem bunten italienischen Dorf der 1960er Jahre aus. Don Camillo wird sich dort ab Samstag abend in acht Vorstellungen mit Peppone herumstreiten, sich über seine rothaarige Nichte die Haare raufen und so gar nichts von einer modernen Kirche halten.

Es ist die „letzte, heiße Woche vor der Premiere“, drückt es Regisseur Hermann J. Vief aus, als am Dienstag abend die erste Durchlaufprobe beginnt. Jetzt geht es darum, das Zusammenspiel von Technik und Schauspiel zu finden. Die Sömmersdorfer Darsteller aus dem Ensemble des Vereins Fränkische Passionsspiele haben heute erstmals ihre Headsets auf. Über die Hälfte der 42 Schauspieler tragen feine Mikrophone, manche sind in Form einer Halskette versteckt wie bei der weiblichen Hauptdarstellerin Julia Martschoke, die als rothaarige Cat ihrem Onkel Don Camillo das Leben schwer macht.

Profis sind in der Technikkabine dabei, den Sound abzumischen. „Sie sehen heute zum ersten Mal das Stück“, erklärt Co-Regisseurin Marion Beyer. Zusammenhänge und Übergänge müssen ausgelotet werden, die Techniker müssen auf Text und Zeichen reagieren, müssen sich zurechtfinden in dem teils sehr turbulenten, vergnüglichen Theaterstück mit ernster Botschaft „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“.

„Heute wird es noch pfeifen und dröhnen“, stimmt Hermann J. Vief seine Spieler ein, die sich geschminkt und in ihrem Rollenkostüm im Zuschauerraum unter den markanten Trichterschirmen versammelt haben. Aber „ab heute ist Echtsituation“, unterstreicht er. Das heißt: keine privaten Gespräche, wenn der Darsteller von der Bühne geht, kein „Scheiße, da hab ich mich verhaut“. „Mikro-Disziplin“ nennt der Profi-Regisseur dieses Verhalten. Ansonsten müssen wie an den Aufführungstagen hinter den Kulissen alle Utensilien, Motorräder oder Vespas bereit stehen, jeder muss pünktlich an Ort und Stelle sein.

„Ihr seid in euren Rollen drin“, puscht die Coburger Theaterpädagogin Marion Beyer. Schließlich wurde monatelang mit den einzelnen Akteuren geprobt, wurden vier Wochenenden von früh bis abends diszipliniert, aber mit viel Leidenschaft geübt. Jetzt solle jeder vor seinem Auftritt in eine Ecke gehen, sich hineindenken in seinen Charakter und in seine Szene, und dann mit diesen Gedanken konzentriert in das Spiel eintreten. „Kein Kaltstart, das sieht jeder Zuschauer“, ermahnt sie.

Dass die Technik-Abstimmung enorm wichtig ist, wird spätestens deutlich, als Musik wie „Jail House Rock“ bei der Schlägerei oder ein gefühlvolles „Whiter Shade of Pale“ bei der Liebes-Szene das Spielgelände erfüllt. Vor dem linken Bühnenrand greifen die fünf Musiker der Projektband „Sir Prize“ in die Saiten von Elektrogitarre oder Contrabass, hämmern aufs Keyboard oder Schlagzeug und lassen das Saxophon vibrieren.

Dass manchmal die Dialoge auf der Bühne kaum zu verstehen sind, wundert Hans Beyer nicht. „Deswegen muss die Anlage eingestellt werden“, erklärt der Ehemann der Regisseurin. „Heute spielen wir ja das erste Mal zusammen“.

Eigens für den Sömmersdorfer „Don Camillo“ haben sich die Musiker zusammengefunden, von Coburg bis Schwäbisch Hall. Beyer kennt sich hier allerdings schon aus: Er hat zu den Passionsspielen 2013 gemeinsam mit Martin Kleiner die neue Passionsmusik komponiert und auch live gespielt. Beide sind wieder dabei, „weil es ungeheuer viel Spaß macht.“

So wie sie nicht von Nervosität, sondern lieber von einer „Grundanspannung“ in der letzten Probenwoche sprechen, so agieren auch die Spieler auf der Bühne. „Das muss so sein, sonst wird nichts transportiert“, weiß Marion Beyer. Leidenschaft und Herzblut haben die Sömmersdorfer sowieso, sagt sie lächelnd. „Ihre Figuren leben.“

Das ist dem Theaterspiel anzumerken: Wenn Frank Greubel wutentbrannt oder pfiffig seinen Don Camillo gibt, wenn Norbert Mergenthal als Bürgermeister Peppone mit großen Sprüchen herumpoltert, wenn Julia Martschoke als selbstbewusste und zickige Cat den Männern den Kopf verdreht, wenn Johannes Gessner als naiver, intellektueller Hilfspfarrer agiert, wenn Sabine Nöth als geltungssüchtige, dominante Ehefrau von Peppone herumstolziert, dann ist das pures Vergnügen für die Zuschauer.

Jetzt herrscht nur noch angespannte Vorfreude, ergänzt ein zufriedener Vereinsvorsitzender Robert König bei. Jetzt soll es endlich losgehen.

 

Info

Die Zufahrt nach Sömmersdorf über die B 303 aus Richtung der Autobahn A 7 ist wieder offen, die Baustelle ist beendet. Es gibt noch Restkarten für die meisten Vorstellungen, am letzten Aufführungstag, Sonntag, 7. August, 15 Uhr, ist noch ein größeres Kontingent verfügbar. Info unter www.kulturauspassion.de

 

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Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Mopeds knattern durch Don Camillos Dorf

Copyright: Silvia Eidel

Copyright: Silvia Eidel

Es knattert und röhrt gewaltig, als die alten Motorräder und Mopeds zwischen den Bäumen auftauchen und auf die Freilichtbühne düsen. Die Jungs, die beim „Don Camillo“-Sommertheater die Halbstarken aus der Stadt, die „Scorpions“ spielen, haben bei der ersten Probe mit den Zweirädern ihre helle Freude. Auch wenn oder gerade weil manchmal einer der historischen Pfutzer nicht anspringen will.

In ihren schwarzen Lederjacken konkurrieren die „Scorpions“ mit den „Hound Dogs“ in Jeans aus dem italienischen Dorf Don Camillos. Diese Burschen sind zwar „nur“ mit Vespas ausgestattet, was vergleichsweise ziemlich uncool ist. Aber mit den kultigen Motorrollern über die Bühne zu kurven, macht der Dorf-Gang genauso viel Spaß.

„Das ist eine alte Sachs“, deutet Robert König auf ein schwarzes Moped, „das eine BMW und das ist von Miele“. Der Vereinsvorsitzende der Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf und von „Kultur aus Passion“, Veranstalter des diesjährigen Sommertheaters, muss es wissen. Er hat aus verschiedenen Quellen die historischen Zweiräder aus den 50er und 60er Jahren besorgt, aus der Zeit, in der auch das Theaterstück „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ spielt. „Ein paar sind von Zweirad Seifert aus Bergrheinfeld geliehen und diese hier von einem Sammler und Bastler“.

Ein weiteres italienisches Schmuckstück ist unter der Vorbühne deponiert, dort wo auch Aufbauten für die Freilichtbühne lagern: Ein weißer Fiat 500. „Für den progressiven Jungpfarrer Don Chichi“, verrät König. Er selbst trägt zur Probe gerade das schwarze Gewand des Monsignore Piero Cornelli, Sekretär des Bischofs von Mailand. Eine Rolle, die dem Vereinsvorsitzenden liegt und die ihn zeitlich nicht zu sehr fordert, zumal seine Textpassagen überschaubar sind. Dass es für ihn etwas entspannter zugeht, ist auch nötig, angesichts der vielen Dinge, die bis zur Premiere am 23. Juli noch erledigt werden müssen.

Copyright: Silvia Eidel

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Es ist Probenwochenende am Passionsspielgelände, die Massenszenen mit 44 Schauspielern stehen erstmals an. „Jeder weiß, in welcher Verbindung er zum anderen steht“, erklärt Co-Regisseurin Marion Beyer die Vorarbeiten. „Die Grundplatzierung hatten wir schon“, ergänzt Regisseur Hermann J. Vief. Jetzt muss der Aufbau der Szenen vorangehen, die Strukturierung. Heute wird zudem erstmals mit der Statisterie gearbeitet.

„Ihr wisst Eure Wege noch?“, vergewissert sich Vief. Es geht um das Aufeinandertreffen der beiden Jugend-Gangs, um Don Camillos selbstbewusste rothaarige Nichte Cat und um Peppones Sohn Michele sowie seinen Rivalen Ringo. Vief spielt die Musik ein, die später, bei den Aufführungen, live von der Band „Sir Prize“ kommen wird.

Die Jungs stehen sich gegenüber, aber vieles ist der Regisseurin noch „zu brav“. „Denkt an die Körperspannung“, zeigt sie den Schauspieler. Faust ballen, mit dem ganzen Körper nach vorne wippen, das Kinn anspannen – jetzt läuft es mehr Richtung Wut, Aggressivität, so wie es die Szene verlangt.

Vief springt gar vom Regie-Platz in der ersten Zuschauerreihe hinauf auf die Bühne und rempelt den Wortführer Ringo alias Christoph Selzam an. „Was willst du?“, tippt er mit den Fingern dem Darsteller an die Brust, um zu zeigen, wie er sich als Halbstarker mit Schmalzlocke glaubwürdiger mit seinen Gegnern auseinandersetzt. Nochmal und nochmal wird die Szene geprobt, immer wieder gibt es genaue Anweisungen der Regie, werden Einzelpersonen oder Gruppen gebrieft.

Copyright: Silvia Eidel

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Dann artet der gespielte Streit auf der Bühne aus: Peppone, alias Norbert Mergenthal, und seine Leute drohen mit Gewehren, Don Camillo, gespielt von Frank Greubel, schießt gar von seinem Garten aus in die Luft, um den Streithähnen beizukommen. Lautes Geschrei, das sich schließlich in einer sinnvollen Aktion auflöst. „Alles, was so fließend aussieht, sind Stunden um Stunden Arbeit“, bestätigt Regisseurin Marion Beyer, als sie mit dem Ablauf schließlich zufrieden ist.

Die Lederjacken und Jeans, die Petticoat-Kleider und alten Anzüge, die Hüte und Taschen der Schauspieler hat Kostümleiterin Elisabeth Trott für diese Probe schon zusammen. „Einiges ist geschenkt, manches selbst genäht, anderes habe ich im Second-Hand-Laden gekauft“, erzählt die Sömmersdorferin. Auch wie die Schmalzlocken der Jungs mit viel Pomade gestylt werden, ließen sich die Maskenbildnerinnen schon von einem Profi zeigen.

Jetzt muss aber das Bühnenbild noch vervollständigt werden, müssen noch Pizzeria, Kirche, Kaufhaus, Pfarrhaus und Dorfplatz Gestalt annehmen. „Meine Frau hat schon jede Menge Blumen eingesetzt“, beruhigt König beim Blick auf die noch kahle Bühne. „Das wird schon noch so richtig italienisch“.

 

Kartenverkauf

Für alle acht Vorstellung von „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ gibt es noch Karten: am 23. und 24. Juli, am 29., 30. und 31. Juli sowie am 5., 6. und 7. August. Freitags und samstags ist Spielbeginn um 20 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Karten gibt es in allen Main-Post-Geschäftsstellen, in der Touristinfo Schweinfurt 360 Grad, im Rathaus Euerbach, in allen ADticket-Vorverkaufsstellen, online unter www.kulturauspassion.de sowie in der Geschäftsstelle der Fränkischen Passionsspiele in Sömmersdorf, Telefon (09726) 2626, E-Mail: info@kulturauspassion.de

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Die Haare „wachsen lassen“

Foto 01.06.16, 18 14 53Normalerweise alle 5 Jahre heißt es für die männlichen Schauspieler bei der Passion: „wachsen lassen“. Die Haare werden länger, die Bärte sprießen. Doch für „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ in diesem Jahr müssen die Männer etwas umdenken. Professionelle Hilfe bieten dabei Maas & Hailer Booder. Bei einem Besuch im stilechten Friseursalon in Haßfurt wurden die Jungs in die 60er Jahre zurückversetzt und ihre Haarpracht dementsprechend getrimmt. Foto 01.06.16, 18 56 51Dabei haben die Booders auch gleich unsere Mädels aus der Maske fit gemacht,wie die echte Elvis-Tolle, Grease-Frisur und Seitenscheitel richtig gestylt werden. Es geht also wieder ums „wachsen lassen“, diesmal allerdings mit Pomade und Haarwachs (und davon jede Menge).

Mit lautem „Hau-Ruck“ und Muskelkraft

Die Schirme wurden zum letzten Mal aufgebaut

Copyright: Silvia Eidel

Zum letzten Mal haben etwa 25 Männer und eine Frau mit vereinten Kräften dafür gesorgt, dass die Zuschauer für ein Theaterstück unter freiem Himmel gut geschützt sind. Für „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ im Juli und August haben die Mitglieder des Vereins Fränkische Passionsspiele wieder für einige Monate ein mobiles Dach gebaut.

Es soll das letzte Mal sein, bevor voraussichtlich im nächsten Jahr eine feste, muschelförmige Überdachung den Zuschauerraum an der Freilichtbühne im Münsterholz überspannt. Wenn die Finanzierung für das 2,5 Millionen Euro-Projekt gelingt. Aber Vereinsvorsitzender Robert König bleibt da trotz mancher Rückschläge optimistisch.

Er ist mit fast 30 anderen Sömmersdorfern am Karsamstag zur Robert-Seemann-Halle gekommen, um die letzten drei Schirme mit einem Durchmesser von zwölf und 14 Metern aufzubauen. „Die Leute waren vor zwei Wochen so schnell und so fleißig“, freut er sich darüber, dass schon sechs Schirme stehen.

Etwa eineinhalb Stunden dauert ein Schirmaufbau. Drei Wochenenden waren insgesamt dafür angesetzt, den Zuschauerraum herzurichten, inklusive des Montierens der 1900 Schalensitze. „Wir wollen fertig sein, bevor die Proben draußen beginnen.“

Die ersten fünf markanten, trichterförmigen Schirme hatte der Verein 1988 gekauft, erinnert sich Robert König, fünf Jahre später kamen zwei weitere hinzu, die letzten zwei dann 2008. „Am Anfang sind wir nur mit der Leiter hochgestiegen“, schaut er auf die Metallgestelle mit den zehn Streben in luftiger Höhe. Seit fast 20 Jahren stehen nun Hebebühne und Hubwagen zur Verfügung, mit denen sich einige Höhenerprobte emporheben lassen.

Während diese gut mit Bergsteigerausrüstung gesichert und angeleint in den Schirmen in etwa acht bis zehn Metern Höhe herumklettern, wird unten am Boden die riesige, schwere Plane für den nächsten Schirm ausgebreitet. Sie wird um den Metallpfosten des Schirmgestells gelegt; in der Mitte wird das viele Zentner schwere Stück zu einer runden Fläche zusammengeschraubt. Zehn Seile werden an den jeweiligen Sprossen außen am Schirmgestell an Flaschenzügen eingehängt, mit deren Hilfe die Plane dann von Hand hochgezogen wird. Je zwei Männer, insgesamt 20 braucht es am Boden, um das schwere Stück hochzuhieven.

Von oben, aus den Trichterschirmen, werden Befehle hinuntergerufen, zumal die Männer dort oben die Traverse – einen Metallteller mit einer daran befestigten Metalllasche am Rand der Plane – per Splint in die Metallstrebe einhängen müssen. Dann wird der Schirm noch gespannt, dann muss die Plane auch am Kranz am Pfeiler noch mit vielen Schrauben befestigt werden. Mit gebogenen Eisen wird die Plane zudem von innen stabilisiert.

Erstmals ist mit Sarina Sauer auch eine Frau beim Klettern dabei. Höhenangst hat sie nicht, sie ist, wie ihr Verlobter Steffen Homrighausen schwindelfrei. Aber für beide gilt, wie für die übrigen, erfahrenen Männer wie Dieter Seufert, Christoph Seufert, Michael Rüth oder Günther Nöth: Sicherheit geht vor. „Es ist Gottseidank nie etwas passiert“, betont Robert König.

Der große Aufwand für den jeweiligen Auf- und Abbau der Schirme ist ein Grund für die neue, bleibende Überdachung. Ein anderer ist, dass die Sicht der Zuschauer auf die Bühne durch die neun Stützpfeiler der Schirme behindert wird. Außerdem bleiben am Rand des Zuschauerraums manche Sitzplätze ohne Schutz vor Regen oder Sonne, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Weil der Passionsspielverein das Ziel hat, künftig nicht nur alle fünf Jahre die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu auf der Freilichtbühne zu zeigen, sondern dazwischen – wie auch in diesem Sommer – andere werthaltige Veranstaltungen, Theaterstücke oder Konzerte, braucht es das feste Dach. „Dann müssen wir auch nicht immer die Sitze an- und abmontieren“, erklärt König.

Nach dem Sommertheater mit „Don Camillo“ sollen die Schirme und Metallstützen ganz abgebaut werden. „Wir würden sie dann verkaufen“, meint der Vereinsvorsitzende. Vielleicht dienen sie dann woanders als markantes Dach.

 

Information

„Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ wird an drei Wochenenden gespielt: am 23. und 24. Juli, am 29. 30. und 31. Juli sowie am 5., 6. und 7. August. Die letzte Sonntagsvorstellung wird aufgrund der großen Kartennachfrage zusätzlich angeboten. Freitags und samstags ist Spielbeginn um 20 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Karten gibt es in allen Main-Post-Geschäftsstellen, in der Touristinfo Schweinfurt 360 Grad, im Rathaus Euerbach, in allen ADticket-Vorverkaufsstellen, online unter www.kulturauspassion.de sowie in der Geschäftsstelle der Fränkischen Passionsspiele in Sömmersdorf, Telefon (09726) 2626, E-Mail: info@kulturauspassion.de

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Wenn Jesus auf der Bierkiste steht

Copyright: Silvia Eidel

Copyright: Silvia Eidel

Wenn Jesus auf der Bierkiste steht und seinem Don Camillo sanft, aber bestimmt, Ratschläge von oben gibt, mag das etwas komisch anmuten. Bei der ersten Szenenprobe für das Sommertheater „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ fehlen eben noch die Requisiten, so dass statt einem Kreuz eine Bierkiste herhalten muss. Fünf Monate vor der Premiere am 23. Juli auf der Sömmersdorfer Freilichtbühne haben die Probenwochenenden begonnen.

Die innigen Dialoge von Don Camillo mit seinem Herrn stehen ganz am Anfang. Die beiden Gesprächspartner kennen sich bereits, haben sie doch schon vor fünf Jahren bei „Don Camillo und seine Herde“ miteinander gestritten und gelitten. „Wenn ich mir das Zwiegespräch vorstelle, dann höre ich genau diese Jesus-Stimme“, erklärt Frank Greubel, der auch diesmal den Don Camillo spielt. Jenen dynamischen, starr- und hitzköpfigen Priester in einem kleinen Dorf in Oberitalien.

Aber er ist in dem selten gespielten Stück nach dem Roman von Giovannino Guareschi etwas älter geworden, „so um die 60“. Und er hat einige Probleme mit dieser modernen Zeit der 1960er-Jahre. Da braucht er natürlich die Zusprache seines Herrn, von dem der Zuschauer nur die Stimme hört. Frank Doth-Rügemer hat sie, weich, samtig, gelassen, allwissend.

„Da ist eine Vertrautheit“, meint er zu seinem irdischen Gesprächspartner. „Es ist wie immer“, auch nach fünf Jahren Dialog-Pause. Dabei hat er zwischendurch mal als Herodes auf der Passionsspielbühne gestanden, erinnert Regisseur Hermann J. Vief schmunzelnd an die Passionsspiele 2013. Und sein Gegenüber war damals einer der beiden Judas-Spieler.

Vief und seine Kollegin Marion Beyer, beide professionelle und viel gefragte Kultur- und Theaterpädagogen aus Coburg, inszenieren erneut als Team dieses Don-Camillo-Stück. „Bislang haben wir an den Rollen gearbeitet, damit jeder weiß, was seine persönliche Triebfeder ist, welchen Hintergrund er hat, wie er tickt“, erklärt Marion Beyer zu den 44 Schauspielern aus dem Ensemble der Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf. Jetzt geht es bei der ersten Szenenprobe im Pfarrsaal darum, die Situation der jeweiligen Dialoge zwischen Don Camillo und Jesus genau zu erfassen und wiederzugeben.

Sei es, dass der italienische Pfarrer mit Schadenfreude oder mit Betroffenheit aus seiner vorherigen Szene zum Gespräch mit Jesus am Kreuz kommt. Sei es, dass er jammernd Mitleid erwartet, weil er zuvor Prügel bezogen hat. Was den Herrn mit leichtem Vorwurf in der Stimme nur trocken erwidern lässt: „Don Camillo, mich hat man gekreuzigt!“

Es sind diese vielen kleinen und feinen Stimmungen und Emotionen, die gemeinsam erarbeitet werden. Die sich in Gestik, Mimik und Stimme wiederfinden müssen. Immer wieder spielen die beiden Darsteller ihre Szenen, bis die Regisseure – und sie selbst – zufrieden sind.

Copyright: Silvia Eidel

Eine Straße weiter dringt aus der Robert-Seemann-Halle am Freilichtgelände laute Musik. Zu „Jailhouse Rock“ sind einige junge Männer und Frauen dabei, die Choreografie zu einer musikalischen Schauspielszene zu erarbeiten. Musik spielt in diesem Don-Camillo-Stück eine große Rolle. Mit 18 Liedern aus den 1960er-Jahren wird eine Live-Band Szenen untermalen oder hervorheben.

Cool und lässig kommen die Jungs daher, eine Vorstadt-Gang, von denen sich die Dorf-Mädels entzückt zum Rock ’n‘ Roll auffordern lassen. „Eine tolle Truppe“, lobt Laura Beyer die Energie und Spielbereitschaft der jungen Leute. „Es macht unheimlich Spaß.“ Die 24-jährige Tochter von Marion Beyer studiert den Tanz ein. „Es soll ganz natürlich sein, nicht aufgesetzt, so dass der Zuschauer Lust bekommt, mitzutanzen. Aber es muss synchron wirken.“

Unterstützt wird die Studentin von der Sömmersdorferin Elisabeth Trott, die nicht nur als jahrelange Garde-Trainerin Erfahrung hat. Einen Tanzkurs hatten die beiden Mitglieder der dörflichen Vespa-Gang „Hound Dogs“ nie absolviert. Aber Stefan Stark als Vico und Marius Mergenthal als Valentino meinen, es mache keinen Unterschied, ob man sich nun tanzend oder gehend und sprechend auf der Bühne bewegt. „Es ist alles Schauspiel.“

Eine Art Haartolle, so wie in den 1960er-Jahren, hat Marius bereits. Auch Stefan muss sich die Vorderhaare bis zum Sommer noch wachsen lassen. „Wir haben noch einen eigenen Termin mit einem Haßfurter Frisör, der uns zeigt, wie die Frisuren aus der Zeit gestylt werden“, ergänzt Robert König, der Vereinsvorsitzende der Fränkischen Passionsspiele. Er beobachtet die ersten Proben und ist sich schon jetzt sicher: „Das wird eine ganz tolle Sache.“

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt