Kultur aus Passion Sömmersdorf

Ruppiger Peppone gegen sturen Don Camillo

Copyright: Silvia Eidel

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Sie heißen Rocco, Michele, Ariana oder Caterina. Und natürlich Guiseppe Bottazzi, genannt Peppone, und Don Camillo Tarocci. Sie leben, lieben und streiten sich Anfang der 1960er Jahre in einem beschaulichen italienischen Dorf. Diese Szenerie erwartet im nächsten Sommer die Besucher der Freilichtbühne Sömmersdorf bei der Komödie „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“. 44 Rollen dafür verteilte die Regie an das Ensemble der Fränkischen Passionsspiele, just zum Start des Kartenvorverkaufs am 1. Dezember.

Mit der Ausgabe der 70 Seiten dicken Textbücher an die Sömmersdorfer Schauspieler und einer ersten Leseprobe fiel am Freitag abend in der Robert-Seemann-Halle der Startschuss für den neuen Don Camillo. „Die Erwartungshaltung ist groß“, spornte Regisseur Hermann J. Vief die Sömmersdorfer an. Schließlich hatten schon der erste „Don Camillo und seine Herde“ 2011 auf der Freilichtbühne und die neu inszenierten Passionsspiele 2013 für Furore gesorgt.

Beide Stücke tragen die Handschrift der Coburger Regisseure Vief und Marion Beyer. Ihnen gelang es, die Laien-Darsteller zu professioneller Leistung zu führen, die Theaterstücke einfühlsam zu inszenieren und die Freilichtbühne mit Leben zu erfüllen. „Und dieser Don Camillo wird was ganz Besonderes“, versprach Vief seiner Mannschaft, die um ihn herum in der Runde saß.

Wie zum Beweis spielte er Rock’n Roll und Boogie-Woogie der 60er Jahre ein, Musik, die auch die sieben Aufführungen im Juli und August 2016 begleiten wird. Allerdings wird sie dann nicht vom Band kommen, sondern live von der Band „Sir Prize“ gespielt. „Die Musik unterstützt die Handlung, sie kitzelt die Stimmungen heraus“, ergänzte Co-Regisseurin Marion Beyer. Wippende Füße, im Takt der Musik nickende Köpfe und mancher zuckende Hintern zeigten, dass diese Musik kaum auf den Stühlen hielt.

Um zu wissen, wie jede Figur im Theaterstück „tickt“, woher sie kommt, was sie auszeichnet, hatten die Regisseure 44 Rollenprofile erstellt. Denn „ihr müsst die Rolle nicht mögen, nur verstehen“, lautete die Intention von Marion Beyer. Also erhielten alle Spieler eine kurze Vita und Charakteristik ihrer Figur.

Zehn Jahre älter sind in diesem selten gespielten Stück des italienischen Erfolgs-Humoristen Giovannino Guareschi die Akteure geworden: Peppone muss sich mit einer „maoistischen Roten Garde“ auseinandersetzen, ist immer noch der sture, ruppige, aber auch gefühlvolle Bürgermeister. Don Camillo hadert mit der modernen Zeit voller langhaariger Rocker, trägt nach wie vor sein Herz auf der Zunge, ist temperamentvoll und braucht für die Reflexion seines Tuns das Zwiegespräch mit Jesus.

Das Freund-Feind-Paar wird wie 2011 vom bewährten Duo Frank Greubel (Don Camillo) und Norbert Mergenthal (Peppone) gespielt. Auch etliche weitere Schauspieler behielten ihre Rollen: Peppones resolute Frau Ariana verkörpert wieder Sabine Nöth, Don Camillos Haushälterin Desolina mimt wieder Susanne Brembs oder der schwerhörige Kommunist Smilzo wird wieder von Karl-Heinz Grünewald dargestellt. Die neue Rolle des „rothaarigen Mädchens“, Don Camillos aufmüpfige Nichte Caterina, vertraute die Regie Julia Martschoke an.

„Gibt es Einwände? Tränen? Ist jemand beleidigt?“, lautete scherzhaft die Frage von Regisseurin Beyer in die Runde, nachdem alle Rollen verteilt waren. „Der soll jetzt sprechen oder für immer schweigen“. Offenbar waren die Sömmersdorfer mit der Wahl zufrieden. Auch wenn manche jungen Männer unter dem Gelächter aller ihre Augen verdrehten, weil sie als Mitglieder der Vorstadt-Gang sich nun die Haare länger wachsen lassen müssen.

Dass sich aber das ganze Team auf die beginnende Arbeit freut, dass „eure Augen schon strahlen“, hatte eingangs Robert König, Vorsitzender des Vereins Fränkische Passionsspiele, festgestellt. Veranstalter des „Don Camillo“ ist der Verein „Kultur aus Passion“, in dem die Sömmersdorfer zwischen den Passionsspielen ihre Spielfreude entfalten können.

Kartenvorverkauf: Gespielt wird 2016 an drei Wochenenden: 23. und 24. Juli, 29. 30. und 31. Juli sowie 5. und 6. August. Freitags und samstags ist Spielbeginn um 20 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Karten gibt es ab 1. Dezember in allen Main-Post-Geschäftsstellen, in der Touristinfo Schweinfurt 360 Grad, im Rathaus Euerbach, in allen ADticket-Vorverkaufsstellen, online unter www.kulturauspassion.de sowie in der Geschäftsstelle der Fränkischen Passionsspiele in Sömmersdorf, Telefon (09726) 2626, E-Mail: info@kulturauspassion.de

 

Text: Silvia Eidel, Schweinfurter Tagblatt

Kultur aus Passion – Willkommen in der großen weiten Welt

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Don Camillo und Peppone, das inzwischen etwas in die Jahre gekommene berühmte Freund-Feind-Paar des italienischen Erfolgs-Humoristen Giovannino Guareschi, hat Schwierigkeiten mit der modernen neuen Zeit.
Rock ‘n Roll, Militärdienst-Verweigerer und Langhaarige bringen das sonst so beschauliche Leben im ländlichen Italien durcheinander und keiner mag mehr so recht an die alten Werte glauben. So hat sich neben Peppones biederer kommunistischer Partei eine „maoistische Rote Garde“ breitgemacht – Chinesen, die dem Bürgermeister böse zusetzen.

Dem sonst so pfiffigen Don Camillo vermiesen nicht nur „langmähnige Rocker und Gammler“ mit ihrer „gotteslästerlichen Ungezwungenheit“ den Tag. Nein, auch noch ein progressiver Hilfspfarrer wurde ihm zugewiesen.

Und schlimmer noch – seine ihm anvertraute Nichte, die bereit ist, in ihrem Minirock für die Dorfjugend auf die Barrikaden zu steigen, verdreht mit ihrer roten Mähne allen ehrbaren Männern den Kopf.

RegieDa heißt es, Nerven bewahren. Wie gut, dass der himmlische Herr gegenüber den Weltverbesserern Nachsicht walten lässt und seinen Hirten mit den Worten erinnert: „Don Camillo, beruhige Dich, auch ich war ein Revolutionär.“

Mit „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“, will „Kultur aus Passion“ dieses Italien der 60er Jahre wieder aufleben lassen – auf der Freilichtbühne in Sömmersdorf – mit mitreissenden  Klängen, von einem Rock ‘n Roll Ensemble gespielt – in einer Geschichte voller feinsinnigem Humor und tiefer Menschlichkeit.

                                                                                                                                                        Regie: Marion Beyer und Hermann J. Vief